Erweiterte Horizonte
durch weltweites Pfadfinden

Verfasst von J.K. Hammer.
Übersetzt von Volker Schlüter.
Herausgegeben von der Skolta Esperanto-Ligo.
Inhalt
Grußwort
Unlängst meinte ein Pfadfinderleiter aus Europa: „Heute bieten Schulen oder andere Gruppen fast dieselben Aktivitäten an, die ein Junge früher nur bei Pfadfindern finden konnte. Das einzige, was nur wir ihm bieten, ist das Erleben weltweiter Brüderlichkeit und Verständigung“. Weitgehend dürfte er recht haben. Denn so wie sich die Welt und die Gesellschaft weiterentwickelt haben, so mussten dies auch die Pfadfinder tun.
Lord Baden-Powell wurde dadurch, dass er die Pfadfinder gründete, zum Pionier der außerschulischen Erziehung. Die Tragweite seiner Entwicklung wurde erst kürzlich voll erkannt. Seine pfadfinderischen Gründungsprinzipien sind zeitlos und universell. Lasst uns gewissenhaft bei ihnen verbleiben.
Doch die Pfadfinderei muss auch modern und sinnreich sein, damit sie ihre Ziele erreichen kann. Sie muss immer wieder die Bedürfnisse und Hoffnungen der Jugend und der Gesellschaft treffen. Überall auf der Welt erneuern und verbessern die Pfadfinder ihre Programme auf unterschiedliche Art und Weise entsprechend der unterschiedlichen Gesellschaften, in denen sie leben. So wird der Gebrauch der universellen Prinzipien, an das reale Leben der Jugendlichen angepasst.
Diese beiden Komponenten – die feste und beständige Grundlage aus Idealen, sowie die bewegliche und geschickte Anpassung der Programme – verleihen der Pfadfinderbewegung ihre bemerkenswerte Dynamik, Kraft und Bedeutung in der heutigen Zeit.
Das Zeitalter des Internets half, die weltoffenste Generation Jugendlicher in der Geschichte der Welt zu schaffen. Sie weiß mehr über die Welt, und besitzt globale Verbindungen. Sie hat eine ausgeprägte Sehnsucht, mit ihren Gefährten aus nah und fern in Kontakt zu treten und sie kennen zu lernen.
Die Pfadfinderbewegung ist ein hervorragendes Mittel, durch das junge Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt einander kennen lernen können. Sie tauschen Erfahrungen und Ideen aus, und bauen Freundschaft und gegenseitiges Verstehen auf.
Dennoch ist ein endloser Strom neuer Ideen erforderlich, um die weltweite Bruderschaft zum Bestandteil des Lebens jedes unserer Mitglieder werden zu lassen. Eine dieser neuen Ideen ist das Jamboree-on-the-Air (JOTA), sie verbindet Pfadfinder durch den Amateurfunk.
Als uns klar wurde, dass 99,9 % der Pfadfinder nicht an den Welt-Jamborees teilnehmen können, wurde das Join-the-Jamboree-Konzept geschaffen. Es ermöglicht Millionen Pfadfindern am Geist, an der Begeisterung und an der Brüderlichkeit des Weltpfadfindertreffens durch jamboreenahe Aktivitäten teilzuhaben.
Für die Vielen, denen es immer noch unmöglich ist, fernen Pfadfinderbrüdern die Hände zu reichen, sind Brieffreundschaften praktische und erfolgreiche Alternativlösungen. Der Austausch verschiedenster Dinge lässt die fernen Pfadfinderbrüder lebendig werden. Solche Verbindungen können zum bedeutendem Teil im Leben der Pfadfinder werden.
In sogenannten Partnerprogrammen kann eine Zusammenarbeit an denselben Projekten den Pfadfindern das echte Gefühl konstruktiver Brüderlichkeit geben. Stämme können mit anderen Stämmen, Bezirke mit Bezirken und Länder mit Ländern zusammenarbeiten. Viele unserer Pfadfinderbrüder unterstützen den Aufbau Ihrer Länder. Zusammen mit ihren Partnern bauen sie Brücken, Dämme, Schulen, Straßen, entwickeln landwirtschaftliche Zentren, gründen Kooperativen oder halten die sich ausdehnende Wüste auf. Dies sind nur einige wenige Beispiele was Pfadfinder durch das Zusammenarbeiten bewerkstelligen.
Als Hilfe, das gemeinsame Schaffen zu gründen, begrüßen wir die Initiative des Pfadfinder-Esperanto-Bundes der sich Skolta Esperanto-Ligo (SEL) nennt. Diese Initiative besteht darin die Broschüre, „Erweiterte Horizonte“ zu entwerfen und zu veröffentlichen. Sie wurde von Pfadfindern mit internationalen Erfahrungen vorbereitet, und enthält viele Ideen, durch die Pfadfinder eben solche Erfahrungen sammeln können.
Ich wünsche mir, jeder erwachsene Pfadfinderleiter nähme die Herausforderung an, sicherzustellen, dass seine Pfadfinder mindestens einmal im Jahr die Möglichkeit haben, sich als Teil der lebendigen weltweiten Bruderschaft der Pfadfinder zu fühlen. Für diese Aufgabe wird er wertvolle Ideen und Ratschläge in den „Erweiterten Horizonten“ finden.
Das Pfadfindertum verstärkt seine Betonung auf sozialen Dienstes und die Entwicklung der Gesellschaft. Je enger Pfadfinder mit einander in Verbindung stehen, um so bekannter werden die Aktivitäten und Aufgaben der anderen, und um so mehr können wir jene Art von Gesellschaft schaffen, die wir uns so sehr wünschen, und die der gesamten Menschheit nützt.

Laszlo Nagy
ehemaliger Generalsekretär der Weltorganisation der Pfadfinderbewegung (WOSM)
Wie groß ist unsere Welt
In mehr als 180 Ländern gibt es Pfadfinder und die Zahl der Pfadfinder wächst von Jahr zu Jahr.
Was könnte interessanter sein, als Mitglied einer so großen weltweiten Organisation zu sein?
Zelten, auf Fahrt gehen und das Leben im Freien sind wichtige Erfahrungen im Pfadfinderdasein. Pfadfinder suchen immer neue Abenteuer und eine Erweiterung ihrer Horizonte. Wenn wir unser Pfadfindertum nur in unserer eigenen Gruppe und in unserer eigenen Region, wo uns die Leute, die Umgebung, die Natur und die Gebräuche bekannt sind, leben, dann fehlt etwas in unserem Leben als Pfadfinder.
Unsere Heimat ist die Welt. Lasst uns über den Zaun schauen! Nur wenn wir mit Pfadfindern aus anderen Ländern und Regionen zusammenarbeiten, gehören wir tatsächlich zur weltweiten Pfadfinderfamilie.
Das verschafft uns Freunde und bereichert unser Leben, und es führt zum besseren Verständnis der Menschen.
Darum lasst uns zusammen den Pfad zur internationalen Freundschaft finden.
Pläne schmieden
Fehlt die richtige Planung, so fällt es schwer etwas gut zu machen. Das gilt auch, wenn wir unsere Horizonte erweitern wollen.
Was können wir tun? In welchen Ländern wollen wir unsere Freunde suchen? Wie können wir sie finden?
Wenn wir uns das vorher gut überlegen, dann hilft uns das
sicherlich bei der Umsetzung unserer Pläne.
Dieser Seiten sollen euch wichtige und nützliche Vorschläge und Hinweise für eure Planung geben.
Bedenkt immer, dass jedes Mitglied eurer Sippe, eurer Horte, eures Stamms oder eures Bundes an dem Geplanten teilnehmen können sollte.
Plant ihr beispielsweise ein umfangreiches und teures Programm, so können nur die reichsten an ihm teilnehmen.
Sprachliche Schwierigkeiten könnten den Kontakt zum Ausland
auf diejenigen begrenzen, die die entsprechenden Sprachausbildung bekommen haben.
Dies kann dazu führen, dass die Freundschaft unsere Gruppe zerbricht. Dann schadet der Kontakt eher, als dass er nützt.
Zum Glück lassen sich diese Schwierigkeiten jedoch vermeiden.
Wie beginnen?
Habt ihr eine Idee entwickelt, die ihr umsetzen wollt, so könnt ihr ein Land auswählen, um dort einen Kontakt zu suchen.
Ein fernes Land, wo sich die Gebräuche von den euren stark unterscheiden, ist interessanter als ein näheres, sodass man erheblich mehr durch die neuen Freunde erfahren kann. In einem näherliegendenen Land sind die Gebräuche meist recht ähnlich. Dafür ist es aber einfacher, sich gegenseitig zu besuchen, und das ist natürlich auch etwas wert.
Wenn ihr euch für ein Land entschieden habt, dann schreibt an den Beauftragten für internationale Beziehungen eures Verbandes oder setzt eine Anzeige in eine internationale Pfadfinderzeitschrift.
Danach ist Geduld recht nützlich.
Ein Hinweis wird euch sicher helfen: Euer Wunsch kann nur in Erfüllung gehen, wenn sich eine Gruppe findet, die auf eure Vorschläge eingehen will. Daher vermindert jede Bedingung, die ihr stellt, eure Aussicht auf Erfolg. Es wird sich zum Beispiel der Wunsch, Kontakt mit Seepfadfindern in Norwegen aufzunehmen, nicht so leicht verwirklichen lassen, wie der nach
Pfadfindern in Skandinavien.
Falls du an deinen Verband schreibst, schreibe möglichst deutlich oder benutze einen Computer.
Die andere Gruppe
Es gibt verschiedene Möglichkeiten,die andere Gruppe
kennenzulernen. Jedes Mitglied kann einen kurzen Brief über sich selbst
schreiben und ihn mit einem kleinen Foto versehen. Die angekommenen Briefe können die Wände unseres Pfadfinderheims schmücken.
Wenn die Bögen gleich groß sind, kann man aus ihnen einem Buch binden. So entsteht ein bleibendes sichtbares Symbol unserer Freundschaft.
Sehr interessant ist auch eine Diaserie mit einem beiliegenden Tonband, auf dem sich jeder selbst vorstellt. Allerdings wird das Ganze wohl nach ein- oder zweimaligem Gebrauch langweilig und dann leicht vergessen. Deshalb ist ein Buch vielleicht doch geeigneter.
Die Serie kann natürlich auch einige Bilder von eurem Pfadfinderheim, eurer Stadt und deren Umgebung enthalten.
Erhält jeder seinen eigenen Brieffreund, vergrößert sich der persönliche Kontakt. Anfangs sollten jedoch alle Briefe gemeinsam versandt werden. Damit wird verhindert, dass einer mehr Post bekommt als ein anderer. Ein gemeinsames Versenden ist außerdem deutlich billiger, und das Verteilen der Post wird zum interessanten Programmpunkt der Gruppenstunden. Natürlich sollte jeder die interessanten Teile seiner Briefer vorlesen.
Wenn ein intensiver und andauernder Kontakt entsteht, können wir vielleicht ein gemeinsames Abzeichen als Symbol unserer Freundschaft entwerfen und auf unsere Kluft nähen.
Die Stadt und die Umgebung
Tauscht Fotos und Zeichnungen eurer Stadt und deren Umgebung aus. Legt
eine Karte bei, auf der ihr euer Heim, die Schule und vielleicht sogar
die Wohnungen der einzelnen Pfadfinder eingetragen habt.
Vielleicht findet ihr auch passende Plakate oder Prospekte. Eine selbst gemachte Zeichnung oder Landkarte hat aber immer einen viel größeren Wert als die schönste gedruckte. Schreibt über die Stadt, die Natur, die Industrie, über die Häuser und die Denkmale. Erzählt etwas von der Geschichte eurer Gegend.
Solche Sachen können euch lange Zeit beschäftigen. Nach und nach werdet ihr verschiedenste Informationen und Dinge erhalten haben, aus denen ihr eine kleine Ausstellung zusammenstellen könnt.
Einer von euch wird der Museumsdirektor und kümmert sich um die Sammlung.
Ihr könntet auch einen Wettbewerb veranstalten: Wer kennt das Land der anderen Gruppe am besten?
Spiele und Lieder

Lieder kann man
sehr gut austauschen.
Man kann natürlich einfach den Text und die Noten auf einem Blatt Papier
versenden. Eine Tonaufnahme ist sicherlich auch eine gute Alternative. Im Prinzip sind junge Pfadfinder recht stolz, wenn sie in einer fremden Sprache singen können. Aber der
Mensch ist kein Papagei, der Töne einfach nachahmt, ohne sie zu verstehen. Daher
legt eine Übersetzung und eine Erklärung hinzu, damit man weiß was man singt.
Bei Spielen schickt man die Regeln, erklärende Zeichnungen und beschreibt das Material, das gebraucht wird.
Wo uns die Worte fehlen, können Zeichnungen, Fotos oder Filme die Einzelheiten erklären.
Falls es in eurer Gegend typische Volkstänze gibt, können euch diese viele Möglichkeiten zum Austauschen und zum Ausprobieren geben. Für Festabende kann so ein interessanter Programmpunkt entstehen. Zweifelsohne sind dann Tonband und Film wertvolle Hilfsmittel.
Die Natur
Wir können auch Fotos oder Zeichnungen von den Pflanzen unserer Gegend versenden. Naturfreunden finden sicher am Sammeln und Trocknen von Blumen und Blättern gefallen, solange man die Natur dadurch nicht schädigt.
Wenn das Klima nicht zu verschieden ist, kann man auch Samen
austauschen und versuchen, sie zum wachsen zu bringen. Das ist oft schwierig, wenn in euren Regionen unterschiedliche klimatische Bedingungen herrschen. Deshalb können Pflanzen aus wärmeren Ländern nur in euren Häusern aufgezogen werden. Pflanzen aus kälteren Ländern können hingegen in den Bergregionen eurer Heimat gepflanzt werden.
Eine Versendung der Samen nach Übersee solltet Ihr aber unbedingt unterlassen, da ihr auf diese Weise das dortige Ökosystem empfindlich schädigen könnt, wenn sich eure Pflanzen unkontrolliert ausbreiten. Aus diesem Grunde, und damit Krankheitserreger nicht verbreitet werden, verbieten einige Staaten wie z.B. Australien die Einfuhr von Samen.
Von Tieren können wir Zeichnungen, Fotos, oder Filme austauschen.
Besonders bei Vögeln ist dies sehr interessant, da man auch Tonbänder mit den Vogelstimmen austauschen kann.
Wenn ihr alles gut vorbereitet, könnt ihr den Austausch über eine lange Zeit fortsetzen.
Niemals darf man lebende Insekten oder deren Eier oder Larven versenden.
Wenn ihr an der Küste wohnt, schickt Muscheln,und wenn ihr im Gebirge wohnt Steine. Allerdings sind solche Sendungen in einigen Ländern verboten. Außerdem kann das sehr teuer werden.
Diejenigen, die die Natur mögen, können das
Programm auch mit einem gemeinsamen Besuch im Zoo oder im botanischen Garten
abrunden.
Land und Leute
Lebt ihr in einem Königreich oder in einer Republik? Wie heißt das Staatsoberhaupt? Wie funktioniert das Parlament? Wie sieht Eure Fahne aus, und was bedeuten ihre Farben?
Welche Nationalfeiertage habt ihr? und wie lautet eure Nationalhymne? Ihr könnt euch über die verschiedensten Dinge austauschen.
Fertigt Landkarten eures eigenes Landes und des Landes eurer Freunde im gleichen Maßstab an, und vergleicht die Größen. Ihr werden überrascht sein.
Schreibt auf, wie viele Menschen auf einen Quadratkilometer wohnen.
Vergleicht die Größe der Städte. Welches sind die wichtigsten Industriezweige, und welche
Unterschiede könnt ihr im Lebensstandard beider Länder feststellen?
Erkundet die Geschichte des anderen Landes. Gibt es diplomatische Beziehungen zwischen euren Ländern?
Und falls es zwischen ihnen Probleme gibt, versucht zu verstehen, dass in einem Konflikt meist beide Seiten ein wenig Recht haben.
Eure neugeborene Freundschaft, deren Grundlage der gegenseitige Kontakt bildet, ist sicher viel stärker als alte Streitigkeiten eurer Vorfahren.
Schaut deshalb nicht zu sehr auf die Vergangenheit, aber sie hilft euch sicher, eine bessere Zukunft auf Basis eurer Freundschaft aufzubauen. Das mag vielleicht ein wenig schwer sein. Es ist aber zu erreichen und es wäre die wertvollste Frucht eurer Korrespondenz.
Kunsthandwerk
Vielerorts werden typische Kunsthandwerksprodukte hergestellt.
Versucht, sie zu beschreiben und stellt kleine Beispiele her. Erklärt, wie
sie gemacht werden, worauf man achten muss, und weist darauf hin, was schief gehen kann. Wenn euch die Worte fehlen, nutzt Fotografien.
Fertigt eine klare Materialbeschreibung und schickt ein Muster mit. Falls erforderlich müsst ihr nach einem Material suchen, das das Original ersetzen kann. Wen ihr eure Phantasie anstrengt, werdet ihr am Ende nahezu alle Schwierigkeiten überwinden können.
Wenn ihr eine Geldsammelaktion durchführt. um eure Freunde besuchen zu können, dann könnt ihr solche Objekte mit verwenden, die ihr aus dem Ausland erhalten habt.
In internationalen Lagern sieht man manchmal Vorführungen kunstvoller Fahnenschwinger oder das Werfen, Schwingen oder Tanzen mit einem Seil oder Lasso. Anderswo werden Bumerang oder Beil sehr geschickt geworfen.
So etwas ist immer sehr sehenswert, und die, die so etwas können sind meistens sehr wenige. Sicher könnt ihr das eine oder andere lernen.
Häuser
Die Häuser in verschiedenen Ländern unterscheiden sich oft sehr stark von einander. Vergleicht die Häuser Skandinavien mit ihren kleinen Fenstern gegen die Kälte, mit den Häusern aus tropischen Ländern. Letzter haben
breite Galerien die vor der Sonne schützen.
Tauscht Bilder, die beispielsweise aus Illustrierten stammen. Geschickte Pfadfinder könnten ein Modell bauen, das für den Versand
auseinander genommen und später wieder zusammengesetzt werden kann.
Fremde Speisen
Für viele Leute ist das Probieren von Speisen aus anderen Ländern eine wahre Freude. Daher kann man sehr angenehme Stunden mit den zubereiten von Gerichten verbringen.
Die Rezept zu schreiben, ist ziemlich einfach, bedenkt aber, dass Zutaten, welche für euch vollkommen normal sind, anderenorts völlig unbekannt sein können. Darum erklärt genau wie man die Zutaten nutzt. Vielleicht müsst ihr sogar erklären, wie man etwas isst.
Mit etwas Phantasie und durch Austesten könnt ihr Ersatzzutaten finden, wenn etwas in euren Geschäften nicht zu erhalten ist.
Wenn ihr noch etwas experimentierfreudiger seid, könnt ihr ein Abendessen mit fremdländischen Gebräuchen veranstalten. Und eure fernen Freunde machen vieleicht sogar das selbe und halten euch eine mittels Tonband vorher aufgezeichnete Tischrede. Natürlich darf sie nicht zu lang sein.
Wenn so ein Essen, gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt stattfindet, kann es freundschaftliche Gefühle fördern. Es hilft besonders dann, wenn man sich nicht besuchen kann.
Vergesst nicht, einige hübsche Fotos für eure Freunde zu machen.
Das tägliche Leben
Was können wir tauschen? Worüber können wir berichten? Oftmals ist man bemüht außergewöhnliche Themen zu finden.
Aber auch ganz gewöhnliche Dinge können sehr interessant sein. Für einen
Pfadfinder, der fern vom Meer wohnt, ist eine einfache Muschel vom fernen Meeresstrand ein kleiner Schatz.
Die Festtage im Dezember feiert die eine Hälfte der Welt im tiefsten Winter, und die andere Hälfte mitten im Sommer.
Vergesst daher nicht die ganz alltäglichen Dinge: eine Zeitung, die Pfadfinderzeitschrift eures Verbandes, Jugendromane, ein
Schulbücher, eine Streichholzschachtel oder Münzen. Fotos und Erklärungen eures Hauses, eurer Schule, eurer Straße, eben euer alltägliches Leben.
Welche große Unterschiede gibt es doch zwischen den Lebensformen der
Menschen. Während einer in einer Stadt mit tausenden von Einwohnern pro Quadratkilometer lebt,
wohnt der andere auf dem Land umgeben von nur einigen wenigen Leuten.
Die Erdkundstunden aus der Schule werden plötzlich Wirklichkeit. Diese Briefe über das Alltägliche sind vielleicht die besten Erdkundstunden, die es überhaupt geben kann.
Wenn wir auch diese Seite eines Landes kennen lernen, so ist unser Kontakt nicht mehr der eines einfachen Touristen. Ein Tourist ist nämliche einer, der zwar die Sehenswürdigkeiten eines Landes kennt, für den aber dessen Einwohner Fremde bleiben.
Probleme
Es gibt keinen Menschen und kein Land ohne Probleme.
Welche Probleme haben deine Freunde und du? Wie könnt ihr einander helfen? Gibt es gemeinsame Probleme? Tauscht eure Ideen und Erfahrungen mit möglichen Lösungen aus.
Ihr werdet feststellen, dass viele Probleme international sind. Beispielsweise sind der Naturschutz oder die vernünftige Nutzung der natürlichen Ressourcen Herausforderungen, die es in jedem Land gibt.
Sehr interessant ist eine Zusammenarbeit zwischen Pfadfindern eines reichen und eines armen Landes.
Man kann reich an Besitz, aber arm an Kultur sein, und umgekehrt. In reichen Ländern hat man Geld, aber man hat in der Regel die Fähigkeit verloren, einfache Lösungen zu suchen. In den armen Ländern, wo Geld und Material fehlen, hat man hingegen oft gute Ideen.
Sehr viele Leute glauben, Reichsein bedeute Glücklich sein, und sie begreifen erst sehr spät, dass man das Glück verliert, wenn man sich nur Reichtum wünscht.
So können beide Seiten aus dem Kontakt viel gewinnen.
Der Weltpfadfinderinnenverband WAGGS hat ein Programm der „gegenseitigen Hilfe“ aufgelegt. Man wählt aus einer Liste des Weltbüros eine anonymes Projekt aus. Nach der Auswahl macht das Weltbüro beide Seiten miteinander bekannt. Hieraus entsteht oft einen sehr positiver internationaler Kontakt.
Ein ähnliches Programm existiert auch beim WOSM, wo es „Jumelage“ heißt. Bittet um Informationen über diese Programme.
Arbeiten für ein gemeinsames Ziel
Wenn wir zusammenarbeiten, um ein Problem zu lösen, fühlen wir unsere Freundschaft viel stärker.
Zweifelsohne gibt es auf dieser Erde Probleme, die wir zusammen lösen können.
Ein hervorragendes Beispiel internationaler Freundschaft ist es, wenn Pfadfinder zweier Länder zusammen arbeiten, um denen eines dritten Landes zu helfen.
Sucht euch für eure Arbeit ein klares, nicht zu entferntes Ziel aus, das man in überschaubarer Zeit lösen kann. Sollte das Problem zu groß oder zu zeitraubend sein, werden einige von Euch zu früh die Lust verlieren.
Erinnert euch daran, dass richtige Hilfe sich selbst überflüssig macht. Einem Hungrigen hilft man besser indem man ihm erklärt wie man fischt, als dass man ihm einen Fisch schenkt. Hat er nämlich den Fisch aufgegessen, so wird er wieder hungrig sein.
Eine sehr interessante internationale Kampagne ist der „Fonds des Thinking Days“.Das Geld dieses Fonds wird in Zusammenarbeit mit der UNESCO für Ausbildungszwecke verwendet.
Der Thinking Day ist jedes Jahr am 22. Februar, dem Geburtstag Lord Baden-Powells,
dem Gründer der Pfadfinderbewegung, und gleichzeitig der seiner Frau Olave Baden-Powell, die ehemalige Cheffpfadfinderin der Welt.
Der internationale Pfadfinder-Fond (Scout-U-Fond)
Der Internationale Pfadfinder-Fonds (Scout-U-Fond) ist das sichtbare Zeichen der Pfadfinderbruderschaft. In mehr als 30 Ländern kann die Pfadfinderbewegung nur dank der ausländischen Hilfe bestehen, die dieser gewährt. Er gibt Handbüchern heraus, organisiert Langer, bildet Pfadfinderleiter aus, hilft Pfadfindern während Katastrophen und so weiter.
Tausende von Jugendlichen hätten ohne ihn keine Möglichkeit, Pfadfinder zu sein. Denkt zum Beispiel an Waisen, Behinderte, Blinde usw.
Eine ausführliche Liste, die über die einzelnen Projekte berichtet, ist beim Pfadfinderweltbüro in Genf erhältlich. Der Scout-U-Fund ist dem Erinnerungsfond der Pfadfinderinnen sehr ähnlich. Eure Spenden schickt ihr am besten an Euren Verband, der diese an das Weltbüro weiterleitet.
Die Briefmarkenbank sammelt für dieselben Zwecke gebrauchte Briefmarken. Auch diese Arbeit wird von einigen Pfadfindern geleistet. Löst die Briefmarken in viel sauberem Wasser ab. Lasst sie völlig durchweichen, bis sie sich von alleine vom Papier lösen. Zieht sie nicht ab. Anschließend könnt ihr sie auf einem Stück weißem Papier trocknen. Presst sie dann zwischen zwei Blätter Papier, bis sie ganz trocken sind. Dann schickt sie entweder an das nationale Pfadfinderbüro oder direkt an das Pfadfinderweltbüro. Euer Verband kennt sicher die Anschrift.
Auch die Pfadfinderinnenbewegung freut sich über euren Beitrag.
Kontake per Funk und Internet
Eine großartige Idee wurde während des Weltjamborees 1957 in Großbritannien geboren: Als ein Funkamateur bemerkte, dass viele Pfadfinder nicht am Jamboree teilnehmen können, entwickelte er für diese ein Funk-Jamboree: das Jamboree-on-the-Air (JOTA), um sie mit der Hilfe von Funkamateuren zu vereinigen.
Heutzutage nehmen am JOTA jedes Jahr über 250.000 Pfadfinder teil.
Inzwischen wird zusätzlich ein Jamboree-on-the-Internet (JOTI) durchgeführt. Beide Veranstaltungen findet jedes Jahr am dritten Oktoberwochenende nach westeuropäischem Kalender statt. Am JOTA nehmen beispielsweise die Sender des Pfadfinderweltbüros in Genf (HB9S) und der Regionalbüros in Costa Rica (TI2CIF) und Chile (CE3BSC) teil.
Die Schwierigkeit ist jedoch, dass man eine besondere Zulassung benötigt, um einen Sender in Betrieb zu nehmen. Außerdem darf man in einigen Ländern nur über technische Einzelheiten sprechen, über Sendestärke,
Empfangsqualität, Antennentypen usw. Dies ist im Allgemeinen für Funkamateure viel interessanter als für Pfadfinder.
Wenn ihr jedoch einen Funkamateur in eurer Nähe findet, so zögert nicht, daran teilzunehmen. Meistens sind Funkamateure sehr freundliche Leute, die auf ihre Apparate stolz sind und euch gern helfen. Vielleicht dürft ihr dort sogar übernachten. Die interessanten Kontakte über tausende Kilometer hinweg gelingen nämlich am ehesten in der Nacht.
Wenn ihr mit einem Computer umgehen könnt, so dürfte das JOTI ebenfalls sehr interessant für euch sein. Es findet ebenfalls am dritten Wochenenden im Oktober statt.
Auf diese Weise könnt ihr national und international neue Freundschaften begründen; und vielleicht findet ihr ja so auch ein neues Hobby.
Filme, Videos und Fotos
Die moderne Technik kann euch auf vielfältige Weise helfen, und die Nützlichkeit von Tonbangeräten wurde bereits erwähnt. Wenn die ökonomischen Rahmenbedingung vorhanden sind, können euch aber auch Filme oder Videos sehr gut weiterhelfen.
Botschaften haben oft Filme, die ihr ausleihen könnt. Allerdings benötigt ihr hierfür ein geeigneten Projektor nebst erfahrenen Vorführer. Projektoren sind sehr teuer, man kann sie aber oft in Schulen oder Kulturzentren ausleihen.
Man muss mit diesen Geräten sehr sorgsam umgehen. Aber glücklicherweise gibt es viele Filme inzwischen auch auf Video. Das vereinfacht die ganze Sache, da ihr die Filme dann selber ausleihen und abspielen könnt.
Lichtbilder sind auch eine sehr gute Möglichkeit, um zu zeigen was ihr macht. Wenn ihr sehr viele habt, dann solltet ihr erst einmal die heraussuchen, die nicht nur für euch selbst, sondern auch für alle anderen interessant sind.
Der persönliche Kontakt
Wenn ihr euch eine Zeit lang geschrieben habt, wird schließlich der Wunsch nach einem persönlichen Kontakt entstehen. Dann lädt die eine Gruppe die andere zu einem gemeinsamen Zeltlager ein. Jeder Gast sollte ferner die Möglichkeit haben, einige Tage bei einer Gastfamilie zu wohnen.
Wenn die Entfernung zwischen den Gruppen zu groß ist, könnt ihr euch vielleicht auf halbem Wege treffen: in einem international Lager oder Jamboree. Aufgrund des Programms wird allerdings nur wenig Zeit bleiben, eure Freunde richtig kennenzulernen.
Ihr könnt Ausflüge oder Fahrten organisieren. Nutzt nicht nur die Informationen der Tourismusbüros, sondern auch eure eigene Kreativität.
Einmal hatten wir die Chance, mit einem ausländischen Gast ein weltberühmtes Museum zu besuchen. Der Weg dorthin führte durch eine waldreiche Region. Unser Gast war hingegen am Rande der Wüste zuhause. Deshalb hielten wir unterwegs an, um uns die Landschaft anzusehen. Wir haben das Museum nie erreicht.
Bringt eure Gäste nicht in Schwierigkeiten. Informiert euch über ihre Gewohnheiten, bedenkt insbesondere auch religiöse Vorgaben, und bemüht euch, ihre Bedürfnisse zu erfüllen.
Als Gäste solltet ihr euch den Gewohnheiten eurer Gastgeber so weit als möglich anpassen. Zugleich müsst ihr aber den Mut haben, das abzulehnen, was euch absolut nicht gefällt.
Auslandsreisen
Über die Empfehlungen, die euch ein Reisebüro geben kann, wollen wir hier nicht sprechen. Solche Ratschläge lohnen sich eigentlich nur, wenn man alleine reist. Für einen ganzen Trupp sind sie hingegen ungeeignet.
Es gibt einen besonderen Ausweis für Pfadfinder, den sogenannten Empfehlungsbrief (letter of Introduction), den ihr bei euch haben solltet. Ihr bekommt diesen beim Beauftragten für internationale Beziehungen eures Pfadinderverbandes.
Erwartet nicht, dass euch Leute beherbergen, die euch nicht vorher eingeladen haben.
Die Pfadfinderbewegung besitzt Hütten in den Alpen. Ihr findet sie in Kandersteg in der Schweiz.
Eine andere Alternative ist das Baden-Powell-Haus in London.
Ferner hat die Pfadfinderinnenbewegung vier internationale Zentren:
- Das Olave-Haus in London, das das
ganze Jahr über Gäste aufnimmt.
- Notre Chalet in Adelboden, Schweiz,
- Nuestra Cabaña in Cuernavaca, Mexiko und
- Sangam in Puna, Indien.
Die letzten drei Zentren sind einen Teil des Jahres für Kurse, für besondere Treffen oder für Gruppen reserviert.
Eine sehr interessante Möglichkeit für Einzelreisende ist der „Pasporta Servo“, falls ihr Esperanto sprechen könnt. Etliche Leute in verschiedenen Ländern sind dann bereit, euch kostenlos zu beherbergen.
Eine gute Vorbereitung spart Geld
Die Eisenbahngesellschaften vieler Länder bieten ausländischen jungen Leuten, die das Land besuchen, Preisermäßigungen an. Oft muss man jedoch die Fahrkarte bereits im Heimatland lösen.
In einigen Ländern könnt ihr eine besondere Fahrkarte kaufen, mit der ihr im Ausland beliebig viel fahren könnt. In Europa gibt es beispielsweise das Inter-Rail-Ticket. Es gilt in 20 Ländern Europas und in Marokko. Außer dem uneingeschränkten Gebrauch der Eisbahnen erhaltet ihr mit ihm auch in einigen anderen Verkehrsmitteln Preisnachlässe.
In fast jedem Land gibt es einen besonderen Tarif für Jugendliche. Um die Wahrheit zu sagen: Die Sache ist ein bisschen chaotisch. Aber wenn ihr euch rechtzeitig informiert, könnt ihr ganz bestimmt Geld sparen.
Eine andere Möglichkeit, Rabatte zu bekommen, besteht für Schüler und Studenten. Hierfür müsst ihr einen internationalen Schüler- und Studentenausweis bei euch haben. Mit diesem Ausweis bekommt man billige Karten für Theater und Museen, kann billig in den Mensen der Universitäten essen und ab und an auch billige Flüge buchen.
Informiert euch also unbedingt über die vorhandenen Möglichkeiten, bevor ihr aufbrecht.
Die Geldfrage
Wenn ihr eure Reise plant, werdet ihr sicherlich feststellen, dass nicht allen ausreichend Geld zur Verfügung steht. Nur wenn alle Teilnehmer aus wohlhabenden
Familien kommen, ist die Sache einfach.
Allerdings stellt sich dann die Frage, weshalb ihr keine ärmeren in eurer Gruppe habt.
Gibt es in eurer Umgebung keine armen Menschen oder habt ihr bisher versäumt ihnen die Mitgliedschaft zu ermöglichen?
Die bekannteste Methode, Geld zu beschaffen, besteht darin, kleine Arbeiten und Dienstleistungen gegen Bezahlung zu verrichten oder möglichst selbst gemachte Sachen zu verkaufen. Dank eurer internationalen Kontakte gibt es jedoch noch andere Möglichkeiten: Organisiert eine Ausstellung der ertauschten Sachen, einen Filmabend oder Vorführungen von Volkstänzen, Spielen und Liedern.
Einer von euch kann einen kleinen Bericht für die Lokalzeitung fertigen. Erwartet nicht zuviele davon, aber ausprobieren könnt ihr das ruhig einmal.
In einigen Ländern muss man für einen Festabend Steuern zahlen. Ausnahmen sind nicht möglich, da jeder vorm Gesetz gleich ist. Aber ihr könnt mit eurer Zahlung gleichzeitig einen Zuschuss in gleicher Höhe beantragen, in dem ihr den Zweck eures Abends erklärt.
Eine aktive Pfadfindergruppe wird man gern unterstützen.
Internationale Pfadfinderzeitschriften
Das
Pfadfinderweltbüro in Genf gibt eine Pfadfinderzeitschrift mit interessanten Aufsätzen heraus. Sie heißt World Scouting / Scoutisme Mondial und erscheint viermal im Jahr. Ferner wird ein monatlicher Newsletter mit Kurznachrichten aus aller Welt und mit Ideen für eure Programme herausgegeben.
Beide erscheinen in Englisch und in Französisch.
Ein Buch mit dem Titel „Scouting ‘round the World“ enthält Angaben über jede Pfadfinderorganisation, die Mitglied im Weltverband ist. Der Text ist Englisch, einige Teile sind jedoch Französisch.
Das Pfadfinderinnenweltbüro in London gibt ähnliches heraus. Vierteljährlich erscheint „The Council Fire“ auf Englisch, Französisch und Spanisch.
Ein Newsletter erscheint vierteljährlich in diesen drei Sprachen.
Das Buch „Trefoil around the World“ war das Vorbild für das der männlichen Pfadfinder.
Die Regionalbüros beider Bewegungen geben ebenfalls eigene Zeitschriften heraus.
All diese Zeitschriften könnt ihr abonnieren. Zuerst solltet ihr euch aber über die Kosten und über die Zuständigkeiten in eurem Verband informieren.
Eine weitere internationale Pfadfinderzeitschrift ist „La Skolta Mondo“. Sie wird in der Sprache Esperanto herausgegeben. Aussehen und Umfang sind nicht so eindrucksvoll, aber dafür ist sie auch nicht so teuer. Sie hat einen ähnlichen Inhalt wie die anderen Zeitschriften. Sie kümmert sich aber auch um eine freundschaftliche Verbindung des Pfadfindertums und Esperanto.
Wendet euch an die Redaktionen der Zeitschriften und erbittet euch Probeexemplare. Anschließend könnt ihr euch jene aussuchen, die euch am meisten gefällt.
Die Pfadfinderverbände eines Landes geben oft eigene Zeitschriften heraus. Diese könnt ihr mit euren internationalen Freunden austauschen. Auf diese Weise könnt ihr entdecken, wie das Pfadfindersein anderenorts gestaltet wird.
Internacionale Pfadfindervereinigungen
Für einige Aktivitäten gibt es besondere Vereinigungen.
Die Briefmarkensammler haben zum Beispiel den „Scout an Guide Stamps Club“ (SGSC) und die „Scouts on Stamps Society International“ (SOSSI) gegründet. Sie geben ein Mitteilungsblatt heraus und haben einen Breifmarkenkatalog zusammengestellt. Außerdem gibt es in einigen Ländern auch nationale Zusammenschlüsse.

Für Sammler von Erinnerungszeichen und Abzeichen gibt es einen ähnlichen Verein. Dieser hat ebenfalls ein eigenes Mitteilungsblatt.
Pfadfinder, die Esperanto sprechen können, können der Skolta Esperanto-Ligo beitreten und dessen Zeitschrift abonnieren. Die Zeitschrift veröffentlicht kostenlos Kontaktwünsche aus aller Welt.
Die italienischen Pfadfinder veranstalten jedes Jahr einen Wettbewerb in dem die besten gezeichneten oder gemalten Bilder, Fotos und Filme gesucht werden.
Leistungsabzeichen
In vielen Ländern gibt es Leistungsabzeichen für alle möglichen Dinge.
Einige von ihnen können für euch sehr kostbar sein.
Wenn nötig informiert euch bei eurem Pfadfinderverband über die Bedingungen, die ihr erfüllen müsst, um sie zu erhalten.
Es gibt meistens welche für weltweite Brüderlichkeit oder für internationale Freundschaft.
Ein anderes erwähnenswertes Abzeichen ist das des Dolmetschers. Von den vielen Sprachen, unter denen ihr wählen könnt, sei hier das Esperanto erwähnt. In einigen Ländern gibt es für diese Sprache sogar ein besonderes Abzeichen.
Denkt daran, dass ein Abzeichen nicht dazu da ist, die Pfadfinderkluft zu verzieren. Sie haben nur dann einen Sinn, wenn ihr euer Wissen auch praktisch anwendet.
Die Verständigung
Wenn ihr Kontakt mit ausländischen Pfadfindern habt, werdet ihr zweifellos Schwierigkeiten bei der Verständigung bekommen.
Diese sind für jüngeren Pfadfinder viel bedeutender als für ältere, und sie können eure Gruppe sogar entsprechend der sozialen Schichtung aufspalten.
Sprachen lernen ist auf beiden Seiten erforderlich. Wenn nur die eine Partei die Sprache der andere lernen muss, dann ist das ein Zeichen dafür, dass etwas in der internationalen Zusammenarbeit fehlt. Es ist schließlich erforderlich, dass man sich um die anderen bemüht - oder etwa nicht?
Auf wunderbar einfache Weise lässt sich das Problem durch die Plansprache Esperanto lösen. Sie ist so leicht, dass man schnell brauchbare Ergebnisse erzielt; und versetzt alle in die gleichen Startbedingungen, da niemand sie vorher kannte. Außerdem muss sich jeder ein wenig bemühen, um sie zu lernen.
Die Grammatik ist so einfach und regelmäßig, dass das Lernen nicht ermüdet.
Wenn ihr Esperanto lernt, wird euch das sicher in der Schule beim Lernen anderer Sprachen weiterhelfen. Es hilft euch sogar eure eigene Sprache besser zu verstehen. Daher ist es keine Zeitverschwendung, wenn ihr euch mit dieser Sprache beschäftigt.
Die Grundprinzipien stammen aus normalen Sprachen. Doch es wurden die Ausnahmen, Unregelmäßigkeiten und komplizierten Dinge beseitigt. Erhalten blieb was nützlich und wichtig ist.
Baden-Powell hat übrigens gesagt, dass ihr in eurer Sippe Esperanto als Geheimsprache nutzen könnt. Wenn ihr aber beginnt sie zu lernen, so werdet ihr feststellen, dass man mit ihr noch viel mehr anfangen kann.
Die Grammatik des Esperanto
Die Grammatik des Esperanto kennt keine Ausnahmen, ihr könnt sie daher leicht erlernen.
Die wichtigen Wortarten erkennt man an dem Schlussbuchstaben des Wortes:
Hauptwörter (Substantive) haben immer als letzten Buchstaben ein -o, und werden, wie alle anderen Wörter, klein geschrieben.
Eigenschaftswörter (Adjektive) enden auf -a.
Für die Mehrzahl (den Plural) hängt man an beide ein -j an.
|
la skolto |
der Pfadfinder | |
la skoltoj |
die Pfadfinder |
|
bona skolto |
eine guter Pfadfinder | |
bonaj skoltoj |
gute Pfadfinder |
Auch die Tätigkeitswörter (Verben) sind ganz einfach: Die letzte Buchstabe der Nennform (des Infinitivs) ist immer -i.
Im Esperanto tauscht man dieses -i einfach gegen -as, -is, oder -os aus, um die verschiedene Zeiten zu erhalten. Die Endung -u ergibt die Befehlsform (Imperativ).
|
labori |
arbeiten |
|
mi laboras |
ich arbeite |
|
vi laboris |
du hast gearbeitet |
|
li laboros |
er wird arbeiten |
|
laboru |
arbeite! |
Es gibt keine starken schwachen oder unregelmäßigen Verben, nicht sechs, sondern eine Deklination, nicht vier, sondern zwei Fälle, und - wie gesagt - keine Ausnahmen.
Ein erstaunliches Wortsystem
Wenn man eine Fremdsprache lernt, ist das Vokabellernen mit am nervigsten.
Im Esperanto gibt es jedoch ein geniales System, mit dem man sich selbst viele Wörter bauen kann.
Durch einfaches Hinzufügen einer Silbe, kann man seinen Wortschatz vergrößern, ohne dass man viel lernen muss.
Hier einige Beispiele:
Wenn du die Wörter skolto (Pfadfinder), knabo (Junge), patro (Vater) und frato (Bruder) gelernt hast, verdoppelt ein einfaches -in- deine Kenntnisse: skoltino (Pfadfinderin), knabino (Mädchen), patrino (Mutter), fratino
(Schwester). Die Silbe -in- bedeutet also weiblich.
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mal- |
Gegenteil, un- |
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-ej- |
Ort, Raum |
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-ul- |
Mensch, der die
Eigenschaft hat, die das Wort angibt, an das man die
Silbe anhängt.
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-ig- |
machen |
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-iĝ- |
werden |
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-et- |
Abschwächung |
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-eg- |
Verstärkung |
Manchmal erschließt man sich somit ganze Wortfamilien, wenn man nur ein einziges Wort lernt:
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varmo |
Wärme |
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varmega |
heiß |
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varmeta |
lauwarm |
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varmigi |
erwärmen |
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malvarma |
kalt |
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malvarmega |
eiskalt |
| malvarmiĝi |
abkühlen |
und aus dem Wort san- kann man folgendes
machen:
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sana |
gesund |
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sanigi |
heilen |
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malsaneta |
kränklich |
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malsanulejo |
Krankenhaus |
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malsana |
krank |
| malsaniĝi |
erkranken |
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malsanulo |
Kranker |
Mit diesem System kann man die Sprache bald praktisch
anwenden.
Die Aussprache
In jedem Wort liegt die Betonung immer auf der vorletzten Silbe: sana,
malsaneta, sanigi, skolto, nacio, skoltino.
Im Esperanto gibt es 28 Buchstaben. Jeder Buchstabe wird immer gleich gesprochen. Es gibt kein th, pf, tz, qu und anderen
Fallen. Die Buchstaben sind: a, b, c, ĉ, d, e, f, g, ĝ, h, ĥ, i, j, ĵ, k, l, m, n, o, p, r, s, ŝ, t, u, ŭ, v, z.
Die Buchstaben q, w, x, y, ä, ö, ü, und ß gibt es im Esperanto nicht. Die meisten Buchstaben werden wie im Deutschen gesprochen. Zu beachten sind jedoch folgende Änderungen:
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C |
z wie in Centrum |
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Ĉ |
tsch wie in Rutsch |
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Ĝ |
dsch wie Dschungel |
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Ĥ |
ch wir in Bach; nicht wie in ich |
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Ĵ |
stimmhaftes sch wie in Garage, Journalist |
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R |
immer gerollt |
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S |
immer stimmlos wie es |
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Ŝ |
sch wie in Schiff |
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Ŭ |
kommt meist nur in aŭ vor, wie deutsch au! |
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V |
w, nie f |
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Z |
stimmhaftes s, wie in Rose, Süden |
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AJ |
ei, ai |
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OJ |
eu, äu, oi |
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EŬ |
ist nicht eu, sondern ein kurzes e un ein kurz nachklingendes
u |
Jetzt könnt ihr sicher den Text des Pfadfindergesetzes schon
auf Esperanto lesen und vieleicht sogar ein bischen vestehen.
1. La honoron de skolto oni povas fidi.
2. Skolto estas lojala.
3. Skolto devas esti utila kaj helpema.
4. Skolto estas amiko al ĉiu, kaj frato al ĉiu alia skolto.
5. Skolto estas ĝentila.
6. Skolto estas amiko de bestoj.
7. Skolto obeas ordonojn.
8. Skolto ridetas kaj fajfas malgraŭ malfacilaĵoj.
9. Skolto estas ŝparema.
10. Skolto pure pensas, parolas kaj agas.
Die Skolta Esperanto-Ligo (SEL)
ist die internationales Vereinigung der Pfadfinder, die Esperanto sprechen oder diese Sprache unterstützen wollen.
Eines der Ziele des Bundes ist es, der Pfadfinderbewegung zu dienen und zu
helfen. Deshalb gibt er diese Broschüre heraus.
Ferner hat er das kleines Lehrbuch „Ĵamborea Lingvo“ herausgegeben, das besonders auf Pfadfinder zugeschnitten ist. Es existiert außerdem ein Pfadfinderwörterbuch mit dem Namen Skolta Terminaro. Dort findet ihr Wörter, die für Pfadfinder besonders wichtig sind.
Nicht zu vergessen ist natürlich die Zeitschrift „La Skolta Mondo“, welche bereits erwähnt wurde.
In vielen Ländern gibt es nationale Vertreter und Landesverbände des Bundes. Seine Mitglieder wohnen überall auf der Welt.
Viele unserer Freunde wohnen in Ländern, aus denen man kein Geld herausschicken darf. Deshalb ist SEL immer reich an Freunden, aber arm an Geld. Wenn ihr also an uns schreibt: legt bitte Briefmarken oder einen internationalen Antwortschein für die Antwort bei. Diesen könnt ihr auf jedem Postamt kaufen.
Schlusswort
Wir hoffen, dass diese Broschüre euch und der ganzen Bewegung der Pfadfinderinnen und Pfadfinder nützt.
Wir wollen mit ihr einen Beitrag zur besseren Verständigung zwischen den Menschen, besonders aber zwischen Pfadfindern
leisten.
Daher möchten wir noch eine letzte Bitte äußern: Internationale Freunde muss man nicht unbedingt im Ausland suchen. Ihr findet sie auch ganz nahe bei euch: Denkt an die Flüchtlinge in eurer Stadt, die wir nur allzu oft vergessen.
Wir wünschen euch viel Erfolg bei euren Unternehmungen.
Wir sind immer bereit, euch nach unserem Möglichkeiten zu helfen und freuen uns über eure Briefe, in denen ihr über eure erweiterten Horizonte erzählt.
Nützliche Anschriften
- World Scout Bureau
www.scout.org/
Box 241, 1211 Genf 4, Schweiz
Tel.: (+41 22) 705 1010
Fakso: (+41 22) 705 1020
worldbureau@world.scout.org
- World Association Of Girl Guides and Girls Scouts
www.wagggsworld.org
World Bureau
Olave Centre,
12c Lyndhurst Road,
London,
NW3 5PQ, Groß Britanien.
Tel: +44 (0)171 794 1181
Fakso: +44 (0)171 431 3764
wagggs@wagggsworld.org
- Skolta Esperanto-Ligo,
- Universala Esperanto Asocio,
(en konsultaj rilatoj kun U.N. kaj Unesco)
www.uea.org
centra oficejo:
Nieuwe Binnenweg 176,
3015 BJ Rotterdam,
Niederlande
Tel.: +31 10 436 1044
Fakso: +31 10 436 1751
viele Mailadressen
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